Großer Stadtrundgang

Strecke: 7,4 km / 2-3 Std. Rundwanderung, Ausgangspunkt/Ziel: Marktplatz

Wo die Geschichte von Diez beginnt, starten wir auch mit unserer kurzen Stadttour. Deshalb geht es vom Marktplatz, der noch nicht zur mittelalterlichen Stadt gehört, erst einmal durch die Marktstraße, dann rechts in die Altstadtstraße und vor dem Haus Altstadtstr. 35 die Schloßtreppe hoch zum Diezer Grafenschloß.

Wegbeschreibung

(1) Diezer Grafenschloß Ein steiler Berg an der Mündung eines Baches in einen Fluss, der als Verkehrsweg genutzt wird, ist für jeden Stadt- und Landesherrn im Mittelalter ein optimaler Platz für eine Burg. Auf diesem strategisch günstigen wie wehrhaften Bauplatz, einem Porphyrfelsen, errichtet der namentlich nicht bekannte Bruder des Grafen Embricho um das Jahr 1000 eine Höhenburg. Vermutlich noch aus dieser Zeit stammt der Bergfried, der höchste Turm der Burg. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurden immer wieder neue Gebäude angebaut: Im 14. Jh.entstand das Gotische Haus, der Palas. In ihm lebten und residierten die Grafen von Diez. Im 18. Jahrhundert wurde der Burgbereich im barocken Stil verändert. Doch als Hauptwohnsitz der mittlerweile in den Rang von Reichsfürsten erhobenen Stadtherren sollte die Burg nicht mehr dienen: Die Herrschaften waren bereits in das Schloß Oranienstein umgezogen, das mehr den Vorstellungen einer angemessenen Residenz entsprach. Von 1784 bis 1927 wurde die Burg als Zuchthaus genutzt. 1953 eröffnet man nach Umbauten ein erstes Heimatmuseum.

Das heutige Museum im Grafenschloß – Museum für Stadt- und Regionalgeschichte wurde nach umfangreicher Restaurierung 2007 wiedereröffnet. In den Dauerausstellungen erfährt man vieles: Von der Geologie über die Geschichte des Herzogtums Nassau bis hin zu den berühmten Nachfahren, den Oraniern, über bürgerliche Wohnkultur, Diezer Persönlichkeiten, Gebäude und die Landschaft des unteren Lahntals auf Grafiken und Gemälden, alte Technik und Kommunikation und manches mehr. Zusätzlich werden Sonderausstellungen gezeigt. Im Diezer Grafenschloß kann man in der Jugendherberge auch für einen schmalen Geldbeutel fürstlich residieren oder sich einmal als Burgherr/Burgfräulein fühlen!

Öffnungszeiten: Di bis Fr 9.00 – 12.00 und 14.00 – 17.00 Sa, So 14.00 – 17.00
Tel. 0 64 32 – 507 467, www.museumdiez.de.

(2) Löwenbrunnen oder Johann-Friso-Brunnen
An ein Familiendrama erinnert der 1715 gestiftete Brunnen. Fürstin Amalie von Anhalt-Dessau ließ ihn zum Andenken an ihren 1711 in der Maas ertrunkenen Sohn Johann Friso Fürst von Diez-Nassau errichten. Der 24jährige war auch schon als Thronfolger des englischen Königshauses bestimmt worden.
Einen praktischen Nutzen hatte dieser Brunnen für das umliegende Stadtviertel: Bis zur Erbauung einer Wasserleitung in den 1880er Jahren sorgte er oben auf dem Schloßberg für das Trinkwasser.

(3) Stiftskirche
Zu Füßen ihrer Burg ließen Graf Gerhard IV. und seine Frau Elisabeth von Sayn ab 1289 ein Kanonikerstift mit einer Stiftskirche zu Ehren der Jungfrau Maria errichten. Aus dem späten 13. Jahrhundert stammt auch noch die heutige Stiftskirche, die den Übergang von der romanischen zur gotischen Bauweise zeigt. Im Inneren der dreischiffigen Kirche wird deutlich, dass das Gotteshaus auch als Grablege der Grafen von Diez und Fürsten von Nassau-Diez dient. Der älteste Grabstein zeigt den 1343 gestorbenen Grafen Gerhard VI., einen Ritter mit Zwei-Hand-Schwert.

Berühmter wurde die Fürstin Amalie (1666 – 1726), deren Gebeine in einem üppig verzierten Sarkophag aus schwarzem Lahnmarmor ruhen: Sie ließ in Diez die Neustadt südlich des mittelalterlichen Burgstädtchens zur Aar hin anlegen. Mit der Einführung der Reformation nach 1564 wurde die Stiftskirche evangelische Pfarrkirche.

(4) Lateinschule Rückseite
Eines der klein erscheinenden Häuser mit einem schlichten Fachwerkgiebel reicht den Schloßberg hinunter bis zur Pfaffengasse und gehört zu dem langen Fachwerkbau der 1564 gegründeten Lateinschule.

(5) Haus Schloßberg 6 (EberhardschesSchlösschen)
Der Diezer Volksmund bezeichnet das einstige Burgherrenhaus nach dem ehemaligen Besitzer, dem Kammerrat Johann Georg Eberhard, der das Anwesen 1711 erwarb, als „Eberhardsches Schlösschen“. Doch architektonisch ist das Gebäude kein Schlösschen, sondern ein typisches Burgmannenhaus.

In der Nachbarschaft zur Burg, bzw. zum Schloss, lebten die Adligen, die in Diensten der Herrschaft standen und meist als hohe Amtsleute in der Verwaltung arbeiteten. Zu diesen hochrangigen Positionen und dem Adelsstatus gehörte selbstverständlich auch ein repräsentatives Wohnhaus, das sich deutlich von den Bürger- und Handwerkerhäusern der mittelalterlichen Stadt abhob: Es ist größer in seinen Ausmaßen, es wurde weitgehend aus Stein, dem teureren Baumaterial, gebaut und durfte in der Nähe der Burg bzw. des Schlosses errichtet werden.

(6) Haus Schloßberg 1/Stadtmauer
Ein anderer Burgherr besaß am Beginn des Schloßbergs seinen repräsentativen Wohnsitz. Teile des aus Bruchstein gemauerten Erdgeschosses an der Oraniensteiner Straße sind noch Reste der mittelalterlichen Stadtmauer. Auch eine zugemauerte kleine Toröffnung ist zu erkennen. Die Wehrmauer um die Stadt besaß fünf Tore: das Mühlentor, Schaumburgertor, Lahnbrückentor, Silberfeldtor und das Haintor.

(7) Haus Eberhard
In die Reihe der herrschaftlichen Häuser am Fuße des Schloßbergs gehört auch das Haus Eberhard am oberen Ende der Pfaffengasse. Als kleines Stadtpalais im Stil des Rokokos entstand es um 1784. In ihm wohnte Geheimrat August Friedrich Adrian Diel (1756 – 1839), der einst als der berühmteste Experte Deutschlands für den Obstanbau galt. Einige Apfel- und Birnensorten tragen den Namen dieses Pomologen in ihrer Bezeichnung, wie zum Beispiel „Diels Renette“ und „Diels Barceloner Parmäne“ – bekannte Obstsorten im 19. Jahrhundert.

Den Garten mit zwei Bäumen der historischen Sorte „Diels Butterbirne“ kann man tagsüber frei betreten. Im späten Frühjahr blüht hier ein sogenannter Tulpenbaum. Die Gartenmauer des Anwesens ist noch ein Teil der sonst in Diez kaum mehr sichtbaren mittelalterlichen Stadtmauer. Vom Laufgang an der Mauer hat man einen schönen Blick auf die Lahn und die Kirche St. Peter auf dem gegenüberliegenden Ufer, das zum Ortsteil Altendiez gehört.

(8) Lateinschule
Das große Gebäude mit den zwei Stockwerken aus Fachwerk über einem steinernen Erdgeschoss beherbergte die erste Lateinschule von Diez. Sie wurde 1564 von Graf Johann VI. gegründet, der die Reformation in Diez einführte und ganz im Trend der fortschrittlichen protestantischen Landesherren, sich für eine Schulbildung von Jungen und Mädchen engagierte. Die Stiftsherren – „Pfaffen“, die ebenfalls in der Pfaffengasse wohnten, sorgten für den Unterricht. Diese Lateinschule existierte bis 1809.

(9) Pfaffengasse 11/ehemalige Schmiede
Eine Metalltafel an einem Holzständer, der den weit vorragenden ersten Stock des Hauses trägt, zeigt zwei Schmiede bei der Arbeit. Ein solcher Vorbau vor der Schmiede war besonders praktisch für das Beschlagen der Pferde. Ein Anbindhaken im Holz weist darauf hin.

(10) Pfaffengasse 7/Haus Monreal
Auch noch in einiger Entfernung vom Schloßberg ließ sich der Gräflich-Nassauische Amtmann Dietrich von Monreal um 1585 einen Stadtsitz errichten. Auf den Resten eines gotischen Vorgängerbaus entstand ein Fachwerkbau, der deutlich zeigt, dass man auch in Holzbauweise Repräsentatives errichten konnte. Der Bauherr gönnte sich dicke, gerade gewachsene Stämme und ließ sie in großer Zahl einsetzen, gab noch Verzierungen der Gefache in Auftrag, so dass sein Stadthaus „trotz“ Holzarchitektur ein prächtiges Anwesen wurde.

(11) Alte Lahnbrücke
Für den Komfort, bequem und trockenen Fußes einen Fluss überqueren zu können, musste man einst Brückenzoll bezahlen. Am Anfang der alten Lahnbrücke, die 1615 an der Stelle einer älteren Holzbrücke errichtet wurde, ist ein solches Zollhäuschen noch zu sehen.

Einen schönen Blick auf die historische Brücke und das daran „hängende“ Häuschen erhält man von einem Abstecher durch Knechts Gässchen zum Lahnufer. Ein schöner Platz für eine kleine Pause am Fluss! Von hier unten ist am unterschiedlichen Mauerwerk gut zu erkennen, dass die derzeitigen Brückenpfeiler auf den umgestürzten Pfeilern eines Vorgängerbaus stehen. Gehen Sie wieder zurück zum Alter Markt!

(12) Alter Markt
Zentral liegt der alte Marktplatz in der mittelalterlichen Stadt, die 1329 Stadtrechte erhielt: Zum einen befindet er sich zu Füßen des Schloßbergs, des Stadtherrn und nahe dem Wohnbereich der Stadtprominenz rund um die Pfaffengasse, zum anderen sind es nur wenige Schritte bis zur Lahn, einem Hauptverkehrsweg für Waren. Der Säckerbrunnen zwischen den Bäumen erinnert an das Lastenschleppen vom Lahnufer zum Marktplatz.
Nach Osten schließt sich an den Markt der Bereich der „einfachen“ Leute, die bürgerliche Stadt längs der Altstadtstraße, an. Am Übergang steht auch das alte Rathaus (heute ein Café).

(13) Ehemaliges Rathaus
Das erste Haus an der Altstadtstraße ist das historische Rathaus. Von 1583 bis 1872 diente das relativ schlichte Fachwerkgebäude mit einem Erker dem Rat der Stadt; Anfang des 19. Jahrhunderts nutzte die katholische Gemeinde den Sitzungssaal für ihre Gottesdienste.

(14) Altstadtstraße
Diese Straße, die sich mit ihrem gebogenen Verlauf um den Fuß des Schloßbergs zieht, machte einen großen Teil der mittelalterlichen Stadt aus – ungefähr die östliche Hälfte! Parallel dazu verlief die Stadtmauer, deren Reste heutzutage noch in Mauern von Häusern und Höfen stecken. Sehenswert und fotogen ist eine Reihe von historischen Häusern mit Fachwerkgiebeln, die oftmals noch aus dem 17. Jahrhundert stammen. Zwei besonders schöne Beispiele rahmen den Aufgang der Schloßtreppe (vor Altstadtstraße 35).

(15) Rosenstraße
Mit dieser Straße, die sich bestens in ein rechtwinkliges Straßennetz einfügt, stehen Sie in der Neustadt. Im 17. Jahrhundert ließen die Fürstinnen Albertine Agnes und Henriette Amalie ihre kleine Residenzstadt erweitern, um Wohnraum für neue Bewohner zu schaffen und damit auch die Wirtschaft zu fördern – was sich positiv auf die Kasse der Stadt und des Fürstentums auswirken sollte.

Dabei wurden an den neu angelegten Straßen recht einheitliche Häuser errichtet. Vor der barocken Stadterweiterung war dieser Bereich außerhalb der mittelalterlichen Stadt jedoch schon mit einfachsten Hütten bebaut: Der Name „Rosenstraße“ leitet sich von „Leprosen“, den Leprakranken, Aussätzigen ab, die man vor die Tore der Stadt verbannt hatte.

(16) Marktplatz
Der Mittelpunkt der barocken Neustadt wurde ein großer rechteckiger Marktplatz. Seine geometrische Form konnte er über die Zeiten hinweg bewahren, doch seine Bebauung ist heutzutage eine bunte Mischung aus rund drei Jahrhunderten.

(17) Schulstraße
Die sich vom Bautyp sehr ähnelnden Häuser zeigen auch wieder, dass dieser Straßenzug auf dem Reißbrett geplant wurde und auch die Zeiten weitgehend überstanden hat. Dekorative Fachwerkfassaden bilden eine malerische Front am rechten Aarufer. Wegen der Fürstinnen aus dem Hause Nassau-Oranien wird die Neustadt auch das „Holländische Viertel“ genannt.

(18) Alter Fruchtspeicher
Nahe am Fluss wurde 1718 das große Gebäude des Fruchtspeichers errichtet. Hier konnten die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und manches andere mehr gelagert werden, um auf Kähne und Schiffe verladen zu werden. Aber auch für eingehende Warenlieferungen war ein solches Lager geeignet. Der zweistöckige Bau wurde aus Stein errichtet und erhielt das im Barock beliebte Mansarddach.
1807 wurde der Fruchtspeicher in eine Kaserne umgebaut; heute wird das Gebäude an der Mündung der Aar in die Lahn u. a. für Theateraufführungen genutzt. Gehen Sie über die Aarbrücke und gleich links in die Kanalstraße!

(19) Kanalstraße
An der historischen Bebauung „aus einem Guss“ ist zu erkennen, dass diese Straße auch mit zur barocken Stadterweiterung gehört. Durch ihre Anlage gemeinsam mit der Häuserreihe von der Schulstraße erhielt der unterste Lauf der Aar den Charakter einer holländischen Gracht.

Biegen Sie links ab, überqueren wieder eine Aarbrücke Richtung Marktplatz und halten sich dann rechts so nah wie möglich am Aarufer. Folgen Sie „Im Werkes“ und spazieren mit Blick in einige Gärten durch eine kleine Passage, die Sie zur Wilhelmstraße führt.

(20) Wilhelmstraße
Zu den sehenswerten Gebäuden gehört die Amtsapotheke (Hausnr. 9), die im neoklassizistischen Stil um 1860 errichtet wurde. In der Durchfahrt zum Hinterhof sind noch kunstvoll geschnitzte Hölzer der alten bzw. ersten Apotheke zu sehen, die 1679 in der Altstadt von Fürstin Albertine Agnes privilegiert, d.h. mit einer Betriebserlaubnis ausgestattet wurde. Anfangs musste dieser Apotheker den kranken Untertanen der Fürstin die verordnete Medizin gratis abgeben!

Interessant sind an dieser Hausfassade und an anderen der Wilhelmstraße die Hochwassermarken. Aus der Entstehungszeit der Neustadt unter Fürstin Albertine Agnes stammt das Haus Nr. 18, heute Schuhhaus Held, früher Haus „Zum grünen Baum“. Das Wohn- und Geschäftshaus aus dem Jahre 1714 hat bis heute vieles von seinem historischen Aussehen bewahrt; besondere Prunkstücke sind die Schnitzereien an der Fassade.

Der weitere Weg führt ab dem Kreisverkehr überraschend steil aufwärts über die Louise-Seher-Straße, dann in die Parkstraße, 1. rechts, 1. links in die Hainstraße. An den Häusern und den schön bepflanzten und gepflegten Straßen ist unschwer zu erkennen, dass es sich hier um die beste Wohnlage von Diez handelt. Wer aber lieber durch Wald gehen möchte, könnte an der Ecke Louise-Seher-Straße/Parkstraße auch weiter den so genannten „Zickzackweg“ nehmen.
Man kommt dann in der Hainstraße ungefähr gegenüber des Cafés im Hain heraus. Von hier aus könnte man durch den Hain bis zur Ecke Lindenallee/Schöne-Aussicht-Straße wandern und dann weiter über die Sophie-Hedwig-Straße zum Schloß Oranienstein. (Der Rückweg vom Schloss wird Sie aber auch durch den Hain bzw. den Wald führen!)

(21) Lindenallee
Diese historische Lindenallee, die zum Schloß Oranienstein führt, wurde um 1790 von dem berühmten Gartenarchitekten Friedrich Ludwig Sckell entworfen. Heute ist es eine wenig spektakuläre Straße durchs Grüne am Rand des Hains, die durch den Zaun der Kaserne ungefähr ab der Mitte gesperrt ist.
Am Ende der Lindenallee biegt man links in die Schöne-Aussicht-Straße, dann rechts in Sophie-Hedwig-Straße, um zum Eingang des Schloss- bzw. Kasernenbereiches zu gelangen.

(22) Schloß Oranienstein
Führungen: April bis Oktober: Di bis Fr 9.00, 10.30, 14, 15.30; Sa, So, Feiertage (außer Mo 10.30, 14, 15.30
November bis März: Di bis Fr 9.00, 10.30, 14, 15.30; Sa, So nach tel. Anmeldung bis
Fr 16.00 unter 0 64 32 – 94 01 666; Mo, Feiertage geschlossen.

Das barocke Schloss steht auf dem Gelände, zum Teil sogar auf den Ruinen des ehemaligen Nonnenklosters Dirstein. Vermutlich im 12. Jahrhundert wurde auf dem steil zur Lahn abfallenden Plateau der Gebäudekomplex errichtet: die Kirche, die Klausur der Benediktinerinnen und alle Wirtschaftsgebäude, die zu einem Kloster gehörten – vom Backhaus über Stallungen, Speicher bis zum Kelter- und Brauhaus. Das Kloster besaß auch Weingüter im Lahntal und eine eigene Mühle zu Füßen des Felsens, heute Restaurant „Zum Mühlchen“. Mit der Reformation kam 1564 das Ende des Klosters.

1676 kaufte die verwitwete Fürstin Albertine Agnes von Nassau-Diez-Oranien die Güter und die Ruine des ehemaligen Klosters Dirstein und ließ auf den Resten der Kirche den Hauptflügel des heutigen Schlosses errichten. Ihre Schwiegertochter Fürstin Henriette Amalie erweiterte das Schloss zwischen 1704 und 1709 zu der heutigen Größe. Ganz nach den Idealen barocker Architektur entstand die symmetrische Anlage. Einige Säle unter den 318 Räumen, wie der blaugoldene Saal, der Marschallsaal, aber auch die Schlosskapelle und das Gartenkabinett können mit einer Führung besichtigt werden. Dazu gehört auch das Museum Nassau-Oranien, das die Verbindungen zwischen Diez und dem niederländischen Königshaus zeigt.

Nach dem Übergang des Herzogtums Nassau als Provinz „Hessen-Nassau“ an Preußen 1866 wurde in den folgenden Jahren das Schloss in eine Königlich-Preußische Kadettenanstalt umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier französisches Militär stationiert, 1962 übernahm die Bundeswehr das Gelände als Kaserne. 1963 ging das gesamte Areal Oranienstein in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über. Das Schloss wurde restauriert, einige Veränderungen wieder rückgängig gemacht. Vom Schloss folgt man kurz der Oraniensteiner Straße, biegt in die 1. rechts In der Rebschule, dann wieder rechts Zum Mühlchen und befindet sich auf dem Lahnradweg.

Auf ihm geht es hinunter in die Lahnaue, wo man einen schönen Blick auf den steilen Felsen des Schlosses hat und gerade noch etwas vom Schlossgarten ahnen kann. Weiter geht es auf dem Lahnradweg am unteren Kasernenrand vorbei, um bei der ersten Gelegenheit auf einem Waldweg wieder – vorbei an dem Aussichtspunkt Teufelskanzel – den Berg hochzusteigen. Durch die Kastanienallee und einen Abschnitt des „Bleib-gesund-Pfads“ geht es zum Sternplatz im Hain.

(23) Gedenkstein
Fürst Wilhelm V. von Nassau-Oranien stiftete 1796 den Hain, der bis dahin Teil des Schlossparks gewesen war, den Bürgern von Diez. Zum Dank errichteten sie ihm auf dem Sternplatz einen Gedenkstein.
Für den Weg hinunter in die Altstadt gehen Sie links ein kurzes Stück die Lindenallee und biegen in die Straße „Schloßberg“. Oberhalb des Amtsgerichts auf der rechten Straßenseite nehmen Sie den schmalen Fußweg an der Stadtmauer entlang, der direkt zum Robert-Heck-Park führt.

(24) Robert-Heck-Park
Der kleine Park trägt den Namen eines Diezer Bürgermeisters (1873 – 1958) und Königlich-Niederländischen Vizekonsuls, der sich auch als Privatgelehrter, Heimatforscher und Kunstsammler betätigte. Robert Heck veröffentlichte 1923 die „Diezer Chronik 1606 – 1866. Ihm verdankt das Museum im Grafenschloß einen beachtlichen Teil seiner Sammlung. Er trug zum Beispiel auch die Fürstengalerie mit den Portraits der Regenten aus den Linien Nassau-Diez und Nassau-Oranien zusammen.

Sein Grab liegt in der heutigen Grünanlage an der Oraniensteiner Straße, denn dieser Park war auch der alte Friedhof der Stadt. Wir verlassen den Park über den Parkplatz an der Oraniensteiner Straße links und gehen durch die Pfaffengasse, überqueren rechts die Alte Lahnbrücke und steigen auf dem St.-Peter-Weg, auch als Halfterweg ausgeschildert, hinauf zur Kirche.

(25) St. Peter
Über dem rechten Lahnufer erhebt sich die evangelische Pfarrkirche St. Peter. Roter neugotischer Bauschmuck ziert den gelb verputzten Bau, dessen Anfänge in das 13. Jahrhundert zurückreichen. 1269 wird erstmals eine Kirche erwähnt, die damit sogar älter ist als die Kirche in der Diezer Altstadt. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wird sie zerstört und das Gebäude anschließend als Pferdestall genutzt. Die wieder aufgebaute Kirche wurde 1796 von französischen Truppen beschädigt.

Der heutige Bau entstand um 1830, den markanten und weithin sichtbaren Turm, in dem noch romanisches Mauerwerk steckt, erhielt St. Peter 1845.

Öffnungszeiten: Der Andachtsraum mit Blick in die Kirche ist täglich von 8.00 – 18.00 geöffnet.

Über den St.-Peter-Weg geht es wieder hinunter an die Lahn und zurück zum Marktplatz.

Aartal
Der kleine Nebenfluss der Lahn kommt aus dem hessischen Taunus herunter, um nach ca. 50 km bei Diez in die Lahn zu münden. Das Kalkwerk bei Oberneisen, das man vom Weg aus sehen kann, besitzt mit seiner untersten Abbausohle den tiefsten Punkt von Rheinland-Pfalz, der bei 45 m NN liegt. Kurz bevor links der erste asphaltierte Feldweg kommt, geht es rechts auf einem Grasweg hinunter und wieder leicht ansteigend auf Holzheim und die Burgruine Ardeck zu. Beim Bauernhof „Burghof“ biegt man links ab Richtung Ortsrand, dem man nach rechts zur Burgruine folgt.

Burgruine Ardeck
1395 wird diese Burg erstmals genannt, doch es gab auf diesem Porphyrfelsen über dem Aartal bereits einen Vorgängerbau. Aus dem Mauerring ragen auf der steilen Talseite der knapp 22 m hohe Bergfried und ein sechseckiger Turm empor, während die Schildmauer auf der Angriffsseite von einem mächtigen Rundturm geschützt wird.

Tipp: Im August finden hier alle zwei Jahre die Ardeck-Burgfestspiele statt. Eine der bekanntesten Laienschauspielgruppen von Rheinland-Pfalz tritt hier auf. Gespielt werden überwiegend Komödien in aufwändigen historischen Kostümen. www.ardeck-burgfestspiele.de

Nach der Besichtigung der Burgruine geht es wieder wenige Schritte zurück und den 1. Weg links ins Feld. Am nächsten Asphaltweg (beschriftet als Aarhöhenweg) biegt man links ab und steigt mit schönem Blick auf die Burgruine Ardeck hinunter ins Tal. Am Wegende und dem ehemaligen Bahnwärterhaus wendet man sich nach rechts und läuft nun auf dem Aartalradweg parallel zur Bahnlinie. An einem kleinen aufgelassenen Steinbruch unterquert man die Bahn, geht über die Aar und kommt zur B 54. Nach der Fußgängerunterführung wandern Sie gleich beim ersten Parkplatz links in den Wald hoch. An der 1. Abzweigung geht es rechts über das Bächlein und am nächsten Wegende nach rechts gelangt man bei der Station „Sprunggrube und Waldmikado“ auf den Walderlebnispfad.

Walderlebnispfad im Diezer Vorderwald
Auf dem 2,5 km langen Rundweg findet man Wissens- und Spielstationen, die das Ökosystem Wald anschaulich erklären. Von Natur aus gibt es hier einen Mischwald vorwiegend aus Buchen, Eichen, Eschen, Ahorn und weniger Nadelbäumen. Für die Entdeckungen des Ökosystems gibt es zum Beispiel ein Baumtelefon, Waldxylophon, Waldfernrohre und die Jahresringscheibe einer Eiche, die Geschichte seit 1877 erzählt.

Vorbei am Barfußpfad, einer Infotafel über die Vogelarten im Vorderwald, einem schönen Blick über Streuobstwiesen auf die Stadt Diez und den 322 m hohen Löwenstein kommt man zu einer Hütte mit Grillplatz.

Rechts haltend läuft man an Informationen zum Totholz, am „Diezer Insektenhotel“ vorbei und gelangt zum großen Parkplatz. Hier hält man sich gleich links und überquert auf einer Fußgängerbrücke die L 318, zu der es dann parallel durch Büsche und Bäume geschützt Richtung Innenstadt geht. Rechts rauscht die Aar und bietet noch eine kleine Kaskade zum Abschied!

Am Wegende halten wir uns links und folgen weiter dem Aartalradweg, kommen vorbei an Schrebergärten und stoßen an deren Ende wieder auf den uns schon bekannten Schläferweg, wo sich unsere Runde schließt. Über den Schläferweg, 1. rechts Bismarckstraße gelangt man zur Wilhelmstraße und zur Rückseite des Bahnhofs Diez.



Lage: ca. 7,4 km / 2-3 Std. Rundwanderung
Ausgangspunkt: Marktplatz
Informationen: Tourist-Information Diez, Wilhelmstr. 63, 65582 Diez, Tel. 0 64 32 – 501 275
Ziel: Marktplatz

Diez, Limburg

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Kontakt

Tourist-Information Diez
Wilhelmstr. 63
65582 Diez

Hotline: +49 64 32 501-275
e-mail: info@Urlaub-in-Diez.de